Aktuell
Hausärzte sagen NEIN zum Gegenvorschlag, weil ihre Anliegen nicht berücksichtigt werden
Das Initiativkomitee Ja zur Hausarztmedizin anerkennt die im Gegenentwurf des Bundesrates enthaltenen Bemühungen, die medizinische Grundversorgung zu sichern und zu fördern. Damit ist eine vom Initiativkomitee gewollte breite Diskussion über die künftige Struktur und Organisation der Hausarztmedizin und der medizinischen Grundversorgung schweizweit lanciert.
Leider ist die Hausarztmedizin in diesem Gegenentwurf nicht genügend abgebildet. Ausserdem tritt der Gegenentwurf nicht auf die Anliegen der Hausärzte ein , insbesondere sagt er nichts über die Sicherung, Erhaltung und Förderung der Hausarztmedizin.
Das Initiativkomitee lehnt den Gegenentwurf des Bundesrates klar ab, weil er auf die zentralen und wesentlichen Punkte der Initiative nicht oder nicht genügend eingeht. Das heisst konkret: Der Gegenentwurf
- ist ein schwammiger Text, der die Anliegen der Hausarztmedizin nicht berücksichtigt,
- zeigt keine Lösungsansätze, auf , wie der Hausärztemangel zu beheben ist,
- schwächt die Hausarztmedizin und geht nicht auf die Bedürfnisse der Bevölkerung (Überalterung, Polymorbidität) ein.
Das Initiativkomitee wird Anfang Mai an einer Medienkonferenz detailliert zum Gegenentwurf Stellung nehmen.
Für Rückfragen
- Prof. Dr. Peter Tschudi, Präsident Initiativkomitee
Tel. 079 232 74 08 - Dr. François Héritier, Vizepräsident Hausärzte Schweiz
Tel. 079 280 09 89
Start zur Tour des Suisse der Hausarztmedizin am 31.3.2011 «Mein Hausarzt und ich – gemeinsam gewinnen!»
Unabhängig vom offiziellen politischen Prozess, der im April 2011 mit der Vernehmlassung des Gegenentwurfs des Bundesrates zur Volksinitiative «JA zur Hausarztmedizin» beginnt, starten die Schweizer Hausärztinnen und Hausärzte am 31. März 2011 eine Öffentlichkeitskampagne unter dem Motto «Mein Hausarzt und ich – gemeinsam gewinnen». Denn der Fortbestand der Hausarztmedizin ist akut gefährdet.
Die Schweizer Haus- und Kinderärztinnen und -ärzte nehmen das Heft in die eigenen Hände: Am Donnerstag, 31. März 2011 enthüllten sie feierlich einen speziell für die Hausarztmedizin umgebauten Bus mit dem unübersehbaren Motto «Mein Hausarzt und ich – gemeinsam gewinnen». Er wird in den nächsten Jahren (bis zur Abstimmung) durch die Schweiz rollen und die Anliegen der Haus- und Kinderärzte in die Bevölkerung tragen. Erster Zwischenhalt des Busses ist in Solothurn, wo am 2. April der erste Kongress der «Jungen Hausärzte Schweiz» stattfindet.
Das Initiativkomitee will mit dieser «Tour de Suisse» der Bevölkerung primär drei Botschaften übermitteln:
- Drohender Hausärztemangel: Wenn der gegenwärtige Trend anhält, werden in 5 Jahren die Hälfte der heute praktizierenden Hausärztinnen und Hausärzte in Pension gehen, ohne dass sie einen Nachfolger gefunden haben. Und bis in 10 Jahren werden – gemessen am heutigen Hausärztebestand – gar nur noch ein Viertel der Hausärzte arbeiten. Das bedeutet konkret: Bis 2016 werden rund 3200 und bis 2021 rund 4700 neue Hausärztinnen und Hausärzte benötigt, die das gleiche Pensum leisten wie die abtretenden, nur um den Status quo der jetzigen Grundversorgung aufrechtzuerhalten. Doch der Nachwuchs fehlt Nur gerade 10 % der heute Medizin Studierenden wollen in die Hausarztmedizin. Die Grundversorgung durch Haus- und Kinderärzte ist in naher Zukunft nicht mehr gesichert.
- Die Haus- und Kinderärztinnen und -ärzte müssen eine Schlüsselstellung in der medizinischen Grundversorgung erhalten. Ein effizientes, patientennahes und kostengünstiges Gesundheitssystem setzt voraus, dass die Haus- und Kinderärzte in der medizinischen Grundversorgung die Schlüsselposition einnehmen. Nur sie besitzen die Schlüsselkompetenzen, ihre Patientinnen und Patienten in unserem Gesundheitssystem optimal begleiten und beraten zu können.
- Aufwertung des Berufes des Haus und Kinderarztes. Der Beruf des Haus- und Kinderarztes muss vor allem für junge Mediziner wieder attraktiver gemacht werden. Denn das heutige hochstehende Gesundheitssystem kann nur aufrecht erhalten werden, wenn genügend junge Mediziner in die Hausarztmedizin einsteigen. Darum fordert das Initiativkomitee mit der Volksinitiative «JA zur Hausarztmedizin» unmissverständlich und kompromisslos eine Top Aus- und Weiterbildung für die angehenden Hausärzte, den Wegfall von unnötigen administrativen Hürden (die eine vernünftige, zeitgerechte Praxistätigkeit von hoher Qualität behindern) und ein hausarztfreundliches Tarifsystem, das die Haus- und Kinderärzte endlich den Spezialärzten gleichstellt.
Was das alles im Detail genau heisst, wird im Hausärztebus an diversen Beispielen und mit diversen Medien dargestellt. Eine Outdoor- und Indoor-Ausstellung zur Hausarztmedizin ergänzen diesen Bus. Gezeigt werden einerseits die zentralen Aufgaben des Hausarztes in unserem Gesundheitssystem (u.a. der Alltag eines Hausarztes auf dem Land und in der Stadt, wozu auch Nacht- Notfall- und Wochenenddienste gehören). Anderseits wird auf die drastischen Folgen des Hausarztmangels aufmerksam gemacht.
Die Zeit drängt: Der sich immer stärker abzeichnende Mangel an Hausärzten erträgt keinen Aufschub mehr. Doch alle Versuche, den Bedarf an Haus- und Kinderärzten zu decken und den sich abzeichnenden Hausärztemangel zu stoppen, sind bisher auf politischer Ebene gescheitert. Deshalb haben die Hausärzte die Initiative JA zur Hausarztmedizin am 1.10.2009 lanciert und am 1.4.2010 mit über 200‘000 gültigen Unterschriften eingereicht.
Die Volksinitiative «JA zur Hausarztmedizin» ist das erste Grossprojekt des am 17. September 2009 gegründeten Berufsverbandes der Haus- und Kinderärztinnen Schweiz («Hausärzte Schweiz») und der grösste politische Vorstoss in der Geschichte der Schweizer Hausärzteschaft überhaupt. Alle bisherigen Grundversorgergesellschaften, die sich zum neuen Berufsverband zusammengeschlossen haben, sind selbstverständlich auch Mitträger der Initiative.
Für Rückfragen:
- Prof. Dr. med. Peter Tschudi, Präsident Initiativkomitee
Mobil 079 232 74 08 - Dr. med. Marc Müller, Präsident Berufsverband der Haus- und Kinderärzte Schweiz («Hausärzte Schweiz»)
Mobil 079 434 44 79 - Dr. med. François Héritier, Vizepräsident Berufsverband der Haus- und Kinderärzte Schweiz («Hausärzte Schweiz»)
Mobil 079 280 09 89 - Dr. med. Franco Denti, Vizepräsident Initiativkomitee
Mobil 079 686 77 66 - Bernhard Stricker, Medienbeauftragter Volksinitiative Ja zur Hausarztmedizin
Tel. 031 311 40 91 / Mobil 079 318 40 23
Weitere Infos unter www.hausaerzteschweiz.ch
Hausärzte setzen in Arosa ein Zeichen für die Volksinitiative «Ja zur Hausarztmedizin»
Vom 31. März – 2. April 2011 treffen sich in Arosa wieder rund 300 Hausärztinnen und Hausärzte sowie 24 Studierende zum 34. Ärztekongress «Aus der Praxis für die Praxis».